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E-MobilitÀt kommunale Energieversorger Entscheidungsstrategien

E-MobilitÀt kommunale Energieversorger Entscheidungsstrategien: Chancen und Risiken

Letztes Update: 28. Juni 2024

Der Artikel beleuchtet, wie kommunale Energieversorger sich zwischen der Förderung von E-MobilitÀt oder dem Abwarten entscheiden können. Chancen, Risiken und Strategien werden analysiert.

Vollgas oder Reißleine: Die E-MobilitĂ€ts-Entscheidung der kommunalen Energieversorger

Die Management- und Technologieberatung BearingPoint nimmt in der Stadtwerke-Studie 2024 das Marktumfeld und die Entwicklungsmöglichkeiten des E-MobilitĂ€tsmarktes aus verschiedenen Perspektiven unter die Lupe. Auf zwei Fokusfeldern bietet die umfassende Studie zudem Analysen und Handlungsempfehlungen fĂŒr die Zukunft.

FrĂŒhe PrĂ€senz auf dem E-MobilitĂ€tsmarkt

Regionale Energieversorger haben bereits zu einem frĂŒhen Zeitpunkt auf dem Markt fĂŒr ElektromobilitĂ€t PrĂ€senz gezeigt. Dies geschah nicht zuletzt, um erwartete RĂŒckgĂ€nge des klassischen EnergieversorgungsgeschĂ€fts im Zuge der Energiewende frĂŒhzeitig kompensieren zu können. Die vor Ort zur VerfĂŒgung stehende Infrastruktur der einzelnen Energieversorger und das eigene technologische Know-how stĂ€rkten diese Rolle. Beide Faktoren bieten auch fĂŒr die Zukunft vielfĂ€ltige Chancen, wie die Studie zeigt.

Markt fĂŒr E-MobilitĂ€t: mangelnde Wirtschaftlichkeit als grĂ¶ĂŸte HĂŒrde

Der E-MobilitĂ€tsmarkt könnte, wie aktuelle Projektionen zeigen, bis zum Jahr 2035 ein globales Potenzial fĂŒr Unternehmensgewinne in Höhe von 80 Milliarden Dollar erreichen. Hierunter fallen als drei relevante Teilbereiche Data & Connectivity, neue MobilitĂ€tsangebote und der Bereich Ladeinfrastruktur. Bei der Betrachtung der jĂŒngsten Entwicklungen muss jedoch in Deutschland vorerst von einer Marktkonsolidierung ausgegangen werden. 60 Prozent der befragten Energieversorger bemĂ€ngeln die derzeit geringe Wirtschaftlichkeit ihrer E-MobilitĂ€tsangebote. Zudem zeigen die Ergebnisse der Stadtwerke-Studie 2024 auch auf Kundenseite aktuell ein verhaltenes Interesse bei einer gleichzeitig dynamischen Entwicklung des Lademarktes. Als Konsequenz ist - zumindest fĂŒr die nĂ€here Zukunft - von einem verlangsamten Wachstum auszugehen, wie die Studienautoren im Rahmen von quantitativen Befragungen und Experten-Interviews herausarbeiten konnten.

Strategische Überlegungen: Effizienzsteigerung und Kostenreduktion

Aus Sicht der Energieversorger geht es bei ihrem Engagement im Bereich E-MobilitĂ€t nicht mehr ausschließlich um Imagebuilding im derzeitigen Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsdiskurs. Vielmehr dominieren mittlerweile die BemĂŒhungen um tragfĂ€hige GeschĂ€ftsmodelle die strategischen Überlegungen. Neben einer Spezialisierung auf ausgewĂ€hlte GeschĂ€ftsmodelle, vor allem auf E-Ladeangebote, und der Abkehr von eigenen, nicht lĂ€nger konkurrenzfĂ€higen Angeboten auf dem Shared-Mobility-Markt aus der FrĂŒhphase der Entwicklung heißen die Stichworte Effizienzsteigerung und Kostenreduktion.

Auf neue Trends vorbereitet sein: Bidirektionales Laden kommt

Die Stadtwerke-Studie 2024 zeigt zudem, dass es fĂŒr kommunale Energieversorger keine Option sein kann, auf den prognostizierten Erfolg der E-MobilitĂ€t zu warten - 90 Prozent der befragten Unternehmen hoffen immerhin auf zusĂ€tzliche Einnahmen. Zwar sind es heute erst rund zehn Prozent der Kundinnen und Kunden, die ein elektrisch betriebenes Fahrzeug besitzen. KĂŒnftig besteht jedoch bei 43 Prozent Interesse daran, sich ein E-Fahrzeug fĂŒr die eigene Garage anzuschaffen.

Bereits jetzt mĂŒssen vor diesem Hintergrund technologische Trends antizipiert und Konzepte auf den Weg gebracht werden. Hierzu zĂ€hlen Bidirektionales Laden und E-MobilitĂ€t fĂŒr leichte und schwere Nutzfahrzeuge und Omnibusse (Depot Charging) genauso wie das Management von Ladestationen und Fuhrparks sowie flexible Ladetarife fĂŒr Charging@Home, die in das eigene Portfolio ĂŒbernommen werden mĂŒssen. Nur wenn rechtzeitig marktreife und konkurrenzfĂ€hige Angebote zur VerfĂŒgung stehen, kann langfristig eine erfolgreiche Positionierung gegenĂŒber großen Energieversorgern gelingen. Letztere werden laut den Studienergebnissen von Stadtwerken und weiteren kommunalen Anbietern als grĂ¶ĂŸte Konkurrenz wahrgenommen (74 %). Mit 66 Prozent folgen Anbieter mit einem Fokus auf E-MobilitĂ€tslösungen als wahrgenommene Konkurrenz und mit jeweils 14 Prozent die Verkehrsgesellschaften und Tech-Unternehmen auf dem Feld der E-MobilitĂ€ts-Produkte und -Services.

KundennÀhe und Vertrauen: Wenn sich der sprichwörtliche lange Atem auszahlt

An den ursprĂŒnglichen Engagements kommunaler Energieversorger auf dem Markt fĂŒr ElektromobilitĂ€t wird zwischenzeitlich vor allem die fehlende Wirtschaftlichkeit bemĂ€ngelt (60 % der befragten Unternehmen). Die interessantesten Kundengruppen fĂŒr Stadtwerke und regionale Energieversorger sind jene Kundengruppen, welche die rĂ€umliche NĂ€he ihres Anbieters positiv bewerten. Stadtwerke und regionale Energieversorger können, wie die Daten der Studie zeigen, entsprechende kundenspezifische Lösungen anbieten. Hierbei profitieren sie insbesondere von der bei ihnen verorteten Kompetenz - sowohl bei der Bereitstellung von Ladeinfrastruktur (CPO) als auch bei Services rund um die ElektromobilitĂ€t (eMSP). Die Aufgabe wird in den kommenden Jahren unter anderem deshalb weiter an Relevanz gewinnen, weil zur Erreichung des von der Bundesregierung festgelegten Ziels bis zum Jahr 2030 900.000 öffentliche LadesĂ€ulen neu errichtet werden mĂŒssen.

Marion Schulte, globale Leiterin Utilities, Postal und Transportation bei BearingPoint: "Schon heute sollte es fĂŒr Stadtwerke und regionale Energieversorger vor allem darum gehen, sich möglichst attraktive Standorte fĂŒr Ladepunkte in StĂ€dten und Gemeinden zu sichern. Mit Blick auf die grundsĂ€tzliche strategische Ausrichtung mĂŒssen Angebote fĂŒr E-MobilitĂ€t jetzt und in Zukunft entweder hoch professionell betrieben werden oder man zieht sich als Unternehmen vollstĂ€ndig aus dem Markt zurĂŒck. Wer dabei bleibt, braucht einen langen Atem. Beharrlichkeit, die sich am Ende aber auszahlen könnte. Wir betrachten die derzeit zurĂŒckgehenden Zulassungszahlen fĂŒr Elektrofahrzeuge als einen vorĂŒbergehenden Trend. Auf Seiten der Anbieter zeigen aktuelle Zahlen, dass sich Investitionen in Ladeinfrastruktur nach acht bis zehn Jahren amortisiert haben."

Optimierung der operativen Prozesse

Neben der zeitlichen Komponente betreffen wichtige Hebel auf Anbieterseite die Verbesserung bestehender operativer Prozesse. Auf verschiedene ZustÀndigkeiten beim Energieversorger aufgeteilte InnovationsaktivitÀten sollten laut Studie an einer unternehmensweiten Innovationsstrategie ausgerichtet und zentral gesteuert werden, sofern eine solche einheitliche Strategie bereits vorliegt. Anzugehen sind zudem die Themen Digitalisierung und Automatisierung. Zu letztgenanntem Punkt zÀhlen beispielsweise der konsequente Einsatz von KI, Robotic Process Automation oder von Workflow-Management-Systemen. Aber auch mit ihren klassischen Tugenden können die Stadtwerke in Zukunft punkten, wie die Studienautoren betonen.

"RegionalitĂ€t ist die StĂ€rke von Stadtwerken. Sie kennen das eigene Vertriebs- und Netzgebiet und damit den Zielmarkt fĂŒr E-MobilitĂ€tsprodukte. Bei der Bevölkerung vor Ort werden sie als zuverlĂ€ssige Anbieter von innovativen Dienstleistungen wahrgenommen. In der Zukunft sollte dieses Vertrauen bei der Entwicklung spezialisierter Angebote genutzt werden. Auf diese Angebote werden die Stadtwerke auch angewiesen sein, wenn sie sich langfristig gegenĂŒber finanzkrĂ€ftigen, großen Energiekonzernen beweisen wollen. Diejenigen Anbieter, die hier die nötige Ausdauer mitbringen, werden beim Hochlauf der ElektromobilitĂ€t langfristig profitieren", resĂŒmiert Marion Schulte.

Über die Studie

FĂŒr die Stadtwerke-Studie 2024 wurden 37 Unternehmen der Energiewirtschaft (38 % bei Energieversorgungsunternehmen, 62 % bei Stadtwerken tĂ€tig) sowie 1.011 private Endkunden befragt. Diese waren Teil der Befragung, um deren individuelle Erwartungen und das bereitgestellte Angebot einem Vergleich unterziehen zu können. Experteninterviews mit Entscheidern auf Seiten der Energieversorger wurden mit dem Ziel der Analyse zukunftsfĂ€higer WachstumsmĂ€rkte fĂŒr Stadtwerke durchgefĂŒhrt. Ein abschließender BearingPoint-Expertenworkshop analysierte die Ergebnisse der Befragung.

Die vollstĂ€ndige Studie steht unter folgendem Link zur VerfĂŒgung: https://ots.de/SnrRLv

Über BearingPoint

BearingPoint ist eine unabhĂ€ngige Management- und Technologieberatung mit europĂ€ischen Wurzeln und globaler Reichweite. Das Unternehmen agiert in drei GeschĂ€ftsbereichen: Consulting, Products und Capital. Consulting umfasst das klassische BeratungsgeschĂ€ft mit dem Dienstleistungsportfolio People & Strategy, Customer & Growth, Finance & Risk, Operations sowie Technology. Im Bereich Products bietet BearingPoint Kunden IP-basierte Managed Services fĂŒr geschĂ€ftskritische Prozesse. Capital deckt die AktivitĂ€ten im Bereich M&A, Ventures, und Investments von BearingPoint ab.

Zu BearingPoints Kunden gehören viele der weltweit fĂŒhrenden Unternehmen und Organisationen. Das globale Netzwerk von BearingPoint mit mehr als 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstĂŒtzt Kunden in ĂŒber 70 LĂ€ndern und engagiert sich gemeinsam mit ihnen fĂŒr einen messbaren und langfristigen GeschĂ€ftserfolg.

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Ein weiterer Aspekt, den man nicht außer Acht lassen sollte, ist die Frage der Energieeffizienz. Hierbei spielt die KĂŒhlung von GebĂ€uden eine große Rolle. Innovative AnsĂ€tze wie die energieeffiziente KĂŒhlung ohne Klimaanlage sind von großer Bedeutung. Solche Technologien können den Energieverbrauch senken und somit die Umwelt entlasten. Dies ist besonders relevant, wenn man die E-MobilitĂ€ts-Entscheidung der kommunalen Energieversorger betrachtet.

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