Letztes Update: 23. April 2024
Die EU-Verpackungsverordnung zeigt kaum Wirkung. Die Deutsche Umwelthilfe appelliert an Umweltministerin Steffi Lemke, nationale Maßnahmen zu ergreifen, um Müll zu reduzieren und Mehrwegsysteme zu stärken.
Die EU-Verpackungsverordnung, die kürzlich verabschiedet wurde, scheint kaum in der Lage zu sein, die Müllberge in Deutschland signifikant zu reduzieren. Die Verordnung, die bestimmte Einweg-Plastikprodukte verbietet und Mehrweglösungen fördern soll, wird von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) als weitgehend wirkungslos angesehen. Die Verbote betreffen nur spezifische Produkte wie dünne Plastikbeutel, während viele andere Einwegprodukte weiterhin erlaubt bleiben.
Ein zentraler Kritikpunkt an der neuen Verordnung sind die unverbindlichen und niedrigen Mehrwegquoten sowie die zahlreichen Ausnahmeregelungen, die große Einzelhandelsketten begünstigen. Diese Regelungen erlauben es Unternehmen, ihre Mehrwegquoten untereinander zu verrechnen, was die eigentliche Intention der Mehrwegförderung untergräbt und die "Verpackungsverordnung absehbar wirkungslos" macht.
Angesichts der Schwächen der EU-Verpackungsverordnung fordert die DUH von der Bundesumweltministerin Steffi Lemke, dringend mit nationalen Maßnahmen nachzusteuern. Dazu gehört vor allem die Einführung einer Lenkungsabgabe auf Einweg-Plastikflaschen und Wegwerfgeschirr, um den Verbrauch dieser Produkte zu reduzieren und die Umweltbelastung zu verringern.
Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH, betont, dass die Umweltministerin nicht hinter der EU-Verordnung verstecken kann. Die national erreichten Mehrwegquoten und die bereits bestehenden Regelungen zeigen, dass ohne entschiedene nationale Maßnahmen die Abfallvermeidung nicht effektiv vorangetrieben werden kann.
Ein weiterer Kritikpunkt der DUH ist die einseitige Fokussierung der Verordnung auf Kunststoffverpackungen. Andere Materialien wie Pappe und Papier werden weitgehend ignoriert, was lediglich zu einem Materialwechsel bei Einwegverpackungen führt, ohne die Gesamtmenge des Verpackungsabfalls zu reduzieren.
Trotz der Kritik gibt es auch positive Aspekte in der Verordnung. Die Einführung eines verbindlichen Abfallvermeidungsziels und die Festlegungen zur Recyclingfähigkeit von Verpackungen sind Schritte in die richtige Richtung. Allerdings sind die Fristen für die Umsetzung dieser Ziele zu lang, was die Effektivität dieser Maßnahmen mindert.
Thomas Fischer, DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft, warnt vor den langen Fristen und der dringenden Notwendigkeit, jetzt zu handeln. Die finanzielle Belastung von nicht-recycelbaren Verpackungen durch ein Fondsmodell könnte ein wirksamer Weg sein, um die Recyclingquoten zu verbessern und die Umweltbelastung zu verringern, bevor es zu spät ist.
Die Forderung der Deutschen Umwelthilfe nach nationalen Maßnahmen zur Reduzierung von Müll und Förderung von Mehrweglösungen wirft ein Schlaglicht auf die Dringlichkeit, innovative Ansätze in der Abfallwirtschaft zu verfolgen. Eine wichtige Rolle spielen dabei nachhaltige Verpackungen, die nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch den Verbrauch von Ressourcen minimieren.
Ein weiterer Ansatzpunkt zur Verringerung des Müllaufkommens ist die Optimierung der bestehenden Pfandsysteme. Die Einführung und Erweiterung von Pfandsystemen kann einen signifikanten Beitrag leisten, um die Recyclingquoten zu erhöhen und die Umweltbelastung durch Einwegverpackungen zu reduzieren. Solche Systeme sind ein bewährtes Mittel, um den Kreislaufwirtschaftsgedanken in der Praxis umzusetzen.
Zudem ist die Reduzierung von Lebensmittelabfällen ein kritischer Aspekt in der Diskussion um Müllvermeidung. Durch bewusstere Konsumentscheidungen und eine verbesserte Handhabung von Lebensmitteln kann jeder Einzelne dazu beitragen, die Menge an Lebensmittelabfall zu verringern. Dies nicht nur im privaten Bereich, sondern auch in der Gastronomie und im Einzelhandel, wo große Mengen an Lebensmitteln täglich entsorgt werden müssen.